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Humor
[lateinisch (h)umor >Flüssigkeit<] der,
früher allgemeine Gemütsbeschaffenheit,Stimmung, (gute
oder schlechte) Laune
Brockhaus
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Humor
Wurde bereits in den 20-er Jahren von Freud als hochstehender Abwehrmechanismus
("die siegreich behauptete Unverletzlichkeit des Ich") diskutiert
und von Adler als eine, die Therapie fördernde Grundhaltung gewürdigt
(vgl. Bernhardt, 1985). Frankl, der eigentliche Pionier des therapeutischen
Humors, betonte, dass nichts den Patienten so sehr von sich selbst distanzieren
lasse, wie der Humor und sich der durch die paradoxe Intention eingeleitete
Einstellungswandel gerade in der Humorreaktion anbahne.
Dr. phil. Peter Hain im "Deutschsprachigen Wörterbuch
für Psychotherapie" (Springer Verlag, 2000)
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Humor ist
nicht einfach, aber sehr lustig. Er ist ein vielschichtiges, schillerndes
Phänomen. Das merkt man schon bei der Frage nach der Definition von
Humor. Manche Autoren unterscheiden den Humor vom Witz. Andere verstehen
Humor als eine Art Sammelbegriff, der sowohl auf verbale wie nonverbale
Mittel zurückgreift, um den physiologischen Reflex des Lachens bzw
Lächelns auszulösen. Zum Humor gehören witzige Bemerkungen,
paradoxe Wortspiele, absurde Übertreibungen, widersinnige Handlungen,
komische Parodien und seltsame Ausdrucksformen der Mimik und Gestik.
22.11.03
auf dem 7. Symposion des CAH
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Historisch
gesehen wurde der Begriff Humor schon bei den Ästheten, als ein Element
des Komischen eingesetzt. Das Komische, definiert als die Fakultät,
die andere zum Lachen bringt, wurde dabei von anderen ästhetischen
Qualitäten wie Schönheit, Harmonie und Tragik unterschieden. Humor
war ebenso wie z.B. Ironie, Satire, Sarkasmus, Nonsens, Spaß oder
Witz ein Teil des Komischen und wurde hauptsächlich als eine lächelnde
Einstellung zum Leben und seiner Unvollkommenheit verstanden (vgl. Ruch,
1998; Schmidt-Hidding, 1963). In der angloamerikanischen Forschung und auch
im alltäglichen Sprachgebrauch hat Humor allerdings mittlerweile eine
andere Bedeutung erlangt und wird als Oberbegriff für alles was früher
dem Komischen zugeordnet war verwandt. "Humor" hat damit den Begriff
des Komischen ersetzt und beinhaltet dabei nicht mehr nur die philanthropische
Seite, sondern streng genommen auch Elemente wie zum Beispiel Spott oder
Ironie. Um insbesondere im wissenschaftlichen Bereich eine ausreichende
Differenzierung zwischen unterschiedlichen Dimensionen des Oberbegriffes
Humor zu ermöglichen, wurden neue Begriffe wie zum Beispiel bewältigender
Humor ("Coping Humor") oder aggressiver Humor ("Aggressive
Humor") geschaffen (vgl. Ruch, 1998).
Willibald Ruch und Karen Zweyer |
Dem deutschen Wort
Humor bzw dem englischen humour liegt das lateinische Ursprungswort
Humor bzw umor, -oris zugrunde, das sich seinerseits auf die griechische
Sprache zurückführen lässt; es bedeutet Feuchtigkeit,
Flüssigkeit.
von Elke Asheuer
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Humor ist erspartes Mitleid - oder: Magnificat
anima mea ...
Die Frühjahrstagung 2001 der Katholischen Krankenhausseelsorger wandte
sich der Heilkraft des Humors zu, und das in Heiligkreuztal,
im fasnetseligen Oberland! Wer allerdings meinte, dass wir zusammenkamen,
um uns fünf Tage lang gegenseitig ausschließlich mit seichten
Pfarrerswitzen zu unterhalten, der sollte sich täuschen.
Als Referenten begleiteten uns Elke-Maria Riedmann (ausgebildet bei Lecoq
in Paris, jetzt therapeutische Clownin in Vorarlberg) und Dr. Michael
Titze (Tuttlingen), psychologischer Psychotherapeut und Autor, Vorsitzender
von HumorCare Deutschland, durch die Tage.
Zur Einstimmung inszenierte Elke-Maria mit mir einen Sketch, der bereits
einen Wink in die entscheidende Richtung gab: Humor wirkt dann therapeutisch,
wenn er dem Elend unbefangen und unverfroren ins Auge blickt. Humor wirkt
dann therapeutisch, wenn er Inhalte thematisiert, die einem das alltägliche,
brave und nette Lächeln mitunter gefrieren
lassen. Die Szene mit der Putzfrau, die mit dem bedürftigen regressiv-renitenten
Pflegefall über die Chancen des Lachens zu philosophieren versucht,
eröffnete die Tagung.
Michael Titze begann sein Referat über die Humorentstehung mit einer
etwas bizarr anmutenden Demonstration: Mit beiden Ellbogen auf die Rückenlehne
seines Stuhles gestützt, den Brustkorb überdehnt, versicherte
er lächelnd und wortreich, wie hilfreich-befreiend die aktuelle Forschung
der Gelotologie (= Lehre vom Lachen) sei. Die Inkongruenz,
die Unstimmigkeit war offenkundig: Da signalisiert einer mit Worten das
exakte Gegenteil dessen, was sein Körper mit seiner gestischen und
mimischen Sprache sagt! Das wirkt unbedingt komisch. Und schon waren wir
mittendrin in der Thematik.
Humor ist der Gegenspieler von Angst und Pein: letztlich von der Angst,
lächerlich zu erscheinen und von den Mitmenschen verachtet zu werden.
Michael Titze steckte ein abgebrochenes Streichholz zwischen seine obere
und untere Schneidezahnreihe und versuchte so diesen Sachverhalt zu erklären.
Indem er sich den Inhalt einer Brausepackung in den Mund kippte, führte
er in das Kapitel der Scham-Angst ein. Alles, was dabei heraus
kam, war Schaum. Wie kindisch!?
Wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder ... (vgl. Lk 18): Dieses
Jesuswort kam mir in Heiligkreuztal immer wieder in den Sinn. Friedrich
Nietzsche beschrieb angesichts seiner Eindrücke in der Eliteschule
Schulpforta in Naumburg/S. sein Ideal: Kind sollst Du werden, ohne
Scham. Wie herrlich unbeschwert ist das Lächeln eines Kindes,
In dem sich das Lächeln des Erwachsenen widerspiegelt: Gut
bist Du und schön. Wie Du bist. Ohne Bedingung. Wir alle kennen
dieses Glück. Doch dann kam die Erziehung: zunächst
zur Scham, dann zu krankmachenden Schuldgefühlen.
Scham und Schuldgefühle entwickeln sich am Ernst des Lebens,
an dem Prinzip. das immer mehr Desselben fordert. In unserer
Welt genügt es nicht, gut zu sein. Besser-Sein ist die
Devise. Dies erzeugt einen unmenschlichen Anpassungsdruck an Werte, die
unerreichbar sind. Heute gilt: Wer nicht in die Normen unserer Marktwirtschaft
passt, der soll sich was schämen. Alle die müssen sich schämen,
die nicht dem Ideal der Werbung entsprechen: Schön, jung, gesund
und (erfolg)reich. Wer heute von schwerer Krankheit getroffen wird, fliegt
raus aus dieser Welt: Die Kraft der Jugend schwindet, die Schönheit
mit dem Alter, die Gesundheit mit der Krankheit, der Erfolg und die materielle
Sicherheit mit den Krankheitstagen im Betrieb.
Die Versagensangst ist offenkundig. Unsere Patienten sind von dieser Angst
meist wie gelähmt. Der Traum von der (irdischen) Vollkommenheit,
der ewigen Fitness ist für sie ein für alle Mal ausgeträumt.
Was kann ihnen helfen?
Sigmund Freud hat 1927 in seinen Abhandlungen über den Humor geschrieben:
Der Humor ist nicht resigniert, er ist trotzig, er bedeutet nicht
nur den Triumph des Ichs, sondern auch den des Lustprinzips, das sich
hier gegen die Ungunst der realen Verhältnisse zu behaupten vermag.
Michael Titze führte uns an die Elemente der Humorentstehung heran:
Die erste Stufe ist die a-logische Originalität. Sie wirkt verblüffend
(mit der Non-Sequitur- oder der Judo-Methode). Diese Originalität
bezieht sich auf lustvolle Affekte, die kulturell zensiert sind: Wut,
Sex und organische Ausscheidungen (Paul Gindele erwies sich hier als einfühlsamer
Mentor). Untrüglichen Ausdruck findet der Humor im Nonverbalen: in
der Mimik, in der Gestik und im Tonfall.
Die Welt des Humors lebt vom Gegenprinzip weniger Desselben.
Das kennen wir nur zu gut aus der Welt unserer Patienten: Sie sagen: Mir
gehts doch gut. Es könnte mir (angesichts des Leids der anderen)
doch noch viel schlechter gehen. Oder: (Wenn schon zu Haus
in meiner Garage kein Porsche steht) habe ich es wenigstens heute geschafft,
aufs Klo zu gehen. In der Krankheit bekommt oft das alltäglich
gering Geachtete große Bedeutung. Und Themen, die die Welt bewegen,
verschwinden aus dem Bewusstsein angesichts existentieller Bedürftigkeit.
Ganz unvermittelt wird das Unmittelbare zum Lebensziel bei allem Risiko
der lächerlichen Unvollkommenheit. Bedenkenloses. spontanes Spiel
(auch mit dem Tod-Ernsten) schafft sich Raum, wenn die Beziehung von einer
tiefen Wertschätzung getragen ist. (Zu einem Patient. der aufgrund
der Erstickungsgefahr eine Atemmaske trägt: Hat eines Ihrer
Enkelkinder bald Geburtstag? Das sieht ja aus, als übten Sie Luftballon
aufblasen!)
Michael Titze verabschiedete sich mit einem Zitat von Jean Paul:
Der Humor ist das umgekehrt Erhabene. Es gibt für ihn keine
einzelne Torheit, keine Toren, sondern nur Torheit und eine tolle Welt.
Er hebt keine einzelne Narrheit heraus, sondern erniedrigt das Grosse,
um ihm das Kleine, und erhöht das Kleine, um ihm das Grosse an die
Seite zu setzen und so beide zu vernichten, weil vor der Unendlichkeit
alles gleich ist und nichts.
Wer sich erhöht wird erniedrigt, und wer sich erniedrigt, wird
erhöht werden, (Lk 14). Diese paradoxe Logik des Magnificat
zog sich wie ein kaum sichtbarer spiritueller roter Faden durch diese
Humortagung.
Wir beschäftigten uns mit der Paradoxen Intention (nach Viktor Frank!),
mit der Provokativen Therapie (nach Frank Farrelly) und mit der nonverbalen
Seite des Humors (Commedia dellArte). Wir lernten nicht nur mit
dem Kopf, sondern vor allem durch unser Erleben: mit Mimik, Gestik, mit
Verkleidung und Masken. Das Lernen war ein Spiel. Elke-Maria Riedmann
lehrte uns, den Clown in uns zu entdecken ...
Georg Hummler
Humor ist die List zu lachen,
wenn`s zum Heulen ist!
Werner Finck
Was ist Humor?
Von Michael Titze
Humor
Das lateinische Wort humor bedeutet Feuchtigkeit, Saft. Wo also Humor ist,
da erscheint die Welt nicht als spröde und trocken. Sie wird vielmehr von
einer Flüssigkeit durchdrungen, die die Objekte mit eleganter Leichtigkeit
verbindet.
Als humores bezeichnete die antike Medizin die Körpersäfte (Blut,
Galle, Schleim und schwarze Galle) eines Menschen.1 Ein "guter Humor"
hängt nach der Vorstellung der mittelalterlichen Temperamentenlehre von
einem ausgeglichenen Verhältnis dieser Säfte ab, woraus sich der entsprechende
Gemütszustand herleitet. So meinte "humour" im 16. Jahrhundert
im Englischen Stimmung, Laune, aber auch ein von den Normen und Konventionen
abweichendes, exzentrisches Verhalten.2 Seit dem 18. Jahrhundert bezeichnet
das Wort Humor "die heiter-gelassene Gemütsverfassung inmitten aller
Widerwärtigkeiten und Unzulänglichkeiten des Daseins".3
Der Humor stellt ein komplexes Phänomen dar, welches kognitive, affektive
und physiologische Aspekte einbezieht. Auslöser der "Humorreaktion"
(Erheiterung) sind unter Anderem witzige Bemerkungen, paradoxe Wortspiele, absurde
Übertreibungen, widersinnige Handlungen, komische Parodien, frecher Schabernack
und seltsame Ausdrucksformen der Mimik und Gestik 4. Dies verweist auf Elemente
von Humorentstehung, die Arthur Koestler5 beschrieb:
(1)Eine normativ ungebundene bzw. ungeregelte Originalität des Denkens,
die verblüffend und ungewohnt, vielleicht auch unlogisch oder gar befremdlich
ist.
(2) Es sind Affekte einbezogen, die normalerweise einer kulturellen Zensur bzw.
Abwehr unterliegen. Hierzu gehören aggressive, sexuelle und skatologische
Impulse.
(3) Von besonderer Bedeutung ist ein spielhaftes Element, das der sprachlichen
Begrifflichkeit und der ausdrücklichen Feststellung nicht bedarf. Denn
dieses Element findet seinen ganzheitlichen Ausdruck im Kontext körperlicher
Bewegungen und Ausdrucksformen (Mimik, Gestik).
Der "normale Erwachsene" findet sich in der alternativen Welt des
Humors oft nicht zurecht, insbesondere dann, wenn er an die gesellschaftlichen
Spielregeln besonders stark angepasst ist. Doch auch der humorloseste Mensch
kann seinen "Sinn für Humor" (wieder)entdecken - indem er den
Weg zurück in die Kindheit einschlägt. Der Clown, der mittlerweile
in der Erwachsenenbildung als Seminarleiter fungiert, wird ihm dabei hilfreich
zur Seite stehen! Mit ihm zusammen kann jener Perspektivenwandel vollzogen werden,
der es ermöglicht, das Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten
- und dadurch Widersprüche, Absurditäten und Ungereimtheiten zu entdecken,
die grundsätzlich komisch sein können.
Heiterkeit
Ein echtes Humorerlebnis äußert sich immer in einem spezifischen
Lächeln und/oder Lachen, woraus sich grundsätzlich (kommunikative)
Auswirkungen auf die zwischenmenschlichen Beziehungen ergeben.6 Der österreichische
Humorforscher Willibald Ruch7 bezeichnet diesen emotionalen Prozess als Erheiterung.
Diese nimmt - im Sinne des Freudschen Lustprinzips - auf affektive Auslöser
Bezug, die einen Menschen zum Empfinden von Fröhlichkeit, Freude oder Vergnügen
anregen, also belustigend sind. Der gedankenschwere "Ernst des Lebens",
der die Lebensrealität eher pessimistisch beurteilt, wird dabei relativiert
und affektiv erleichtert. Heiterkeit ist somit der "Versuch des Menschen,
mit sich ins Reine zu kommen" (Albert Ziegler SJ), indem von einer allzu
vernünftigen Haltung, die im normativen "Realitätsprinzip"
verfangenen ist, Abstand gewonnen wird.
Lachen
Lachen ist für den französischen Philosophen Henri Bergson8 nicht
"begreifbar", es entzieht sich geradezu jeder begrifflichen Erkenntnis.
Es sei wie die Schaumkrone auf einer Meereswoge, und der Theoretiker des Lachens
sei wie ein Kind, das den Schaum mit der Hand abschöpfe und sich wundere,
dass gleich darauf nur noch ein paar Wassertropfen durch seine Finger rinnen,
viel salziger, viel bitterer als das Wasser der Welle, die den Schaum an den
Sand trug. "Das Lachen ist eine Reaktion des Körpers, in der dieser
sich gegen Vergeistigung, Rationalisierung und Abstraktion behauptet. Der Lachende
überlässt seinen Körper sich selbst; er verzichtet auf Kontrolle
[...]9" . So ist das Lachen unverkennbar Ausdruck einer naiven Lebensfreude,
die keiner vernünftigen Begründung bedarf und keine normative Reglementierung
erträgt. Im Lachen offenbart sich die affektive Lebendigkeit des Menschen
in seiner ursprünglichsten Weise. Der lachende Mensch genügt sich
selbst, weil er das "Urvertrauen zum Dasein"10 unmittelbar erlebt.
Lachforscher (Gelotologen) haben den physischen Akt des Lachens mit einer Befreiung
in Zusammenhang gebracht, die Spannungen auflöst, Selbstheilungskräfte
mobilisiert und den Energiefluss im Körper erleichtert.11 Psychologisch
lässt sich das als eine Freisetzung von aggressiver Energie verstehen.
Eibl-Eibesfeldt12 interpretiert das Zähnezeigen und die typischen Lautäußerungen
beim Lachen als eine ritualisierte archaische Drohgebärde. Diese wirkt
gerade auf Gruppenfremde aggressiv, während sie innerhalb der Bezugsgruppe
ein starkes Band schafft und ein gemeinsames "Triumphgefühl"
hervorruft. Lachen scheint in seiner usprünglichen Funktion gegen Dritte
zu verbinden.
Die heilsame Wirkung des Lachens ist heute ein wichtiges Thema in der Psychotherapie.
So versucht man mit Hilfe bestimmter provokativer Gesprächstechniken auf
Seiten des Patienten eine "Humorreaktion" hervorzurufen - das heißt
Erkenntnisse anzuregen, die mit Erheiterung einhergehen und sich im Lächeln
und/oder Lachen äußern.13 Zusätzlich wird versucht, die physiologische
Heilkraft des Lachens durch bestimmte averbale Übungen in Gang zu setzen.
Am bekanntesten in diesem Zusammenhang ist das "Yoga-Lachen", das
in indischen Lachklubs entwickelt wurde14.
Lächeln
Das Lächeln ist eine (weitgehend) aggressionsfreie Kontaktgebärde,
ein "mimischer Stoßdämpfer".15 Die Gesichtsmuskulatur ist
bei Geburt bereits voll ausgebildet und funktionsfähig.16 Schon Säuglinge
können ein selektives soziales Lächeln einsetzen,17 um die Interaktion
mit der Bezugsperson zu fördern. Dieses Interaktionslächeln signalisiert
"einen aktiven Zustand von Freude [...]. Es wirkt wie eine Art Klebstoff,
der Säugling und Eltern verbindet."18 Das lächelnde Gesicht ist
ein "Spielgesicht"19 . Es stellt ein universales Signal für Freundlichkeit,
Kooperationsbereitschaft, Zustimmung und Freude dar. Paul Ekman beschreibt verschieden
Formen des Lächelns. Nur jenes, das den musculus zygomaticus maior (Wangenheber)
und den orbis ocularis oculi (Augenringmuskel) aktiviert, kann als "echtes
Lächeln" verstanden werden. Dieses zeigt nicht allein einen Zustand
heiteren Glücksgefühls an, es wirkt sich gleichzeitig als Auslöser
positiver Emotionen aus. Man nimmt in diesem Zusammenhang an, dass es eine direkte
und zentrale Verbindung zwischen der Mimik und der Hirnaktivität gibt.20
So konnte nachgewiesen werden, dass ein intensives (echtes) Lächeln die
Durchblutung des Gehirns fördert und Stresssymptome mildert.21 Da sich
dieses Lächeln auch willkürlich hervorrufen lässt, wurde die
"Therapie des bewussten Lächelns" entwickelt, die als eine "natürliche
Methode zur Überwindung von Stress" eingesetzt werden kann.22
Nachstehendes Schema veranschaulicht, auf welchen Ebenen Menschen kommunizieren
können:

Intrapersonal
1. innerhalb des Bezugssystems des Erwachsenen (E): ernsthaftes Nachdenken,
Abwägen, rationales "inneres Selbstgespräch"
(bewusst, analytisch, reflektiv)
2. innerhalb des Bezugssystems des Kindes (K): emotional geprägte Phantasien,
Tagträume (ichbezogen, spontan, unreflektiert)
3. zwischen den Bezugssystemen des Erwachsenen und Kindes
(E <->K): rationale Stellungnahme zu eigenen Phantasien, Humorerfahrung
Interpersonal
1. zwischen zwei Personen innerhalb des Bezugssystems des Erwachsenen
(E1 <-> E2): rationales, normativ akzentuiertes Gespräch
2. zwischen zwei Personen innerhalb des Bezugssystems des Kindes
(K1 <-> K2): affektiv bestimmte Interaktion (Streiten, "Blödeln",
Liebesspiel)
3. zwischen zwei Personen, wobei beide Bezugssysteme einbezogen
sind (E1 <-> K2) bzw. (E2 <-> K1): flexible Gesprächsführung,
die affektiv offen, aber rational kontrollierbar ist. Humorentstehung ist grundsätzlich
möglich!
Quellen:
1) M. Titze/H.Gröner,
Was bin ich für ein Mensch? Freiburg, 1989, S. 21f
2) W. Preisendanz
in Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band III, Darmstadt, 1980,
S. 1232
3) dtv Brockhaus
Lexikon, Band 8, München 1984, S. 207)
4) M. Titze, Die
heilende Kraft des Lachens, München, 1999, S. 287
5) Der göttliche
Funke, Bern-München, 1966; Der Mensch - Irrläufer der Evolution, Frankfurt,
1990
6) M. Titze/C.
Eschenröder, Therapeutischer Humor, Frankfurt, 2000, S. 11f
7) The Sense of
Humor, DeGruyter, Berlin, 1998
8)Das Lachen, Zürich,
1972
9) D. Kamper/C.
Wulf (Hg.), Lachen - Gelächter - Lächeln, Frankfurt, 1986, S. 7
10) V. E. Frankl,
Grundriß der Existenzanalyse. In: F. Gebsattel, J. H. Schultz, V. E. Frankl
(Hg.), Handbuch der Neurosenlehre und Psychotherapie, Bd. III, München,
1959, S. 164
11) D. E. Berlyne,
Laughter, humor and play. In: Handbook of Social Psychology, Vol. 3, Reading,
1969, S. 806ff; H. Rubinstein, Die Heilkraft Lachen, Bern, 1985
12) Grundriß
der Vergleichenden Verhaltensforschung, München, 1967, S. 140
13) vgl. Titze/Eschenröder,
a.a.O.
14) M. Kataria,
Laugh for no Reason, Bombay, 1999
15) V. Rittner,
Das Lächeln als mimischer Stoßdämpfer. In: D. Kamper/C.Wulf,
a.a.O., S. 322ff
16)P. Ekman, Gesichtsausdruck
und Gefühl, Paderborn, 1988
17)J. Bolwlby,
Bindung, München, 1975
18) T. Landau,
Von Angesicht zu Angesicht, Reinbek, 1995, S.178, 188
19) I. Eibl-Eibesfeldt,
Liebe und Haß, München, 1972
20) Ekman, a.a.O.,
S. 154-165
21) R. A. Zajonc:
Emotional and facial efference: A theory reclaimed. In: Science, 228, 1985
22) L. Hodgkinson,
Smile Therapy, London, 1987
23) Zitiert nach
A. Kostler, ebd., S. 54
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